Monday, September 25th, 2017
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Gedanken, die mich nicht loslassen…

Ich sitze hier und sehe die Bilder von unter einer dicken Steinplatte verschütteten Kindern, die eine Gruppe von Helfern aus den Trümmern des bombardierten Aleppos birgt – manche lebendig und einige tot. Die Bilder bahnen

The White Helmets

Ich sitze hier und sehe die Bilder von unter einer dicken Steinplatte verschütteten Kindern, die eine Gruppe von Helfern aus den Trümmern des bombardierten Aleppos birgt – manche lebendig und einige tot. Die Bilder bahnen sich den Weg über meine Auge in mein Gehirn, wo sie sich einnisten neben den vielen anderen, die ich zuvor gesehen habe.
Kinder aus dem Irak und Afghanistan, Kinder aus Syrien, Kinder aus diversen Ländern Afrikas und Europas. Kinder die bluten, weinen, schreien oder all das schon nicht mehr können.

 

Ich denke an all jene Kinder die durch Missbrauch, Gewalt, Terror, Krieg und Vertreibung so unvorstellbares Leid erfahren mussten.

 

Ich denke an Menschen in eleganten Anzügen und mit akkuraten Frisuren, für die an den runden Tischen dieser Welt die Lebensrealität dieser Kinder über ihrem Verlangen nach Macht, Einfluss und Profit vielleicht nicht ganz in Vergessenheit geraten, aber doch weit in den Hintergrund rücken.

 

Ich denke an Soldaten, die sich Krieger nennen – sie könnten Väter, Onkel oder Cousins dieser Kinder sein – und in einen Kampf ziehen, von dessen Ehrenhaftigkeit sie überzeugt sind, doch in dem sie oft ebenso sinnlos töten, wie ihre Feinde, im Glauben, auf der „richtigen“, der Seite der „Guten“ zu sein.

 

Ich denke an die machthungrigen Anführer, Demagogen, Diktatoren und selbsternannten Heilsbringer dieser Welt, von denen man nie so genau weiss, ob sie einfach nur irre oder kaltblütig und berechnend sind.

 

Ich denke an all die „Coolen“ da draussen, die Darstellungen von Waffen und Bewaffneten offenbar als Nonplusultra begreifen oder gewaltverherrlichende Videos, Songs und Texte feiern, während andernorts das, was für sie wohl eine Art Popkultur darstellt, bittere, tödliche Realität ist.

 

Ich denke an Journalisten, die uns mal hier mal dort erklären wollen, wer denn nun rechtmässig – weil von staatlicher Seite – und wer unrechtmässig, ja terroristisch zerstört, verletzt, vergewaltigt, foltert und tötet.

 

Jede unschuldige Seele, die getötet wird, ist eine zu viel!
Jede Frau, deren ganz eigenes Lachen nie wieder gehört, jeder Mann, dessen einzigartig blitzende Augen nie mehr gesehen, und jedes Kind, dessen weiche, duftende Babyhaut nie wieder gerochen wird, ist zu viel!

 

 

Eine Frau hält ein Schild hoch, auf ihm steht: „Wie wäre es einmal mit dem 1. Weltfrieden?“
Sie lädt es auf Facebook. Sie bekommt viele Likes – und Kommentare. Ich lese die Kommentare:

 

„Der Mensch ist nun einmal so, weil…“
„Ein schöner Wunsch, aber…“
„Das wird nie passieren, weil…“
„Das Problem dabei ist, dass…“

 

[hier können wahlweise Argumente aus der Biologie, Psychologie, Geschichte, Wirtschaft oder auch Verschwörungstheorien und rassistische Propaganda eingesetzt werden]

 

Ja, auch ich halte es für schön und gleichsam unrealistisch, an eine Welt ohne Gewalt zu glauben, aber immerhin sitze ich hier gerade recht komfortabel auf meinem Sofa in sicherer Umgebung, fern ab jeder Bedrohung.
Auch ich habe keine Lösung für die Konflikte und Verbrechen auf dieser Welt, ich weiss ja noch nicht einmal, weshalb ich all dass hier schreibe.
Vielleicht schreibe ich einfach, weil das besser ist, als nichts zu tun, weil es mich an die Menschen denken lässt, die gerade alles verlieren. Ich weiss, sie haben nichts von meinen Gedanken und auch nicht von diesem Text, meine Stimme wird verhallen in den tiefen des Internets.
Aber dennoch schreibe ich, dennoch ist es mir wichtig, den Abu Hurairra (ra) berichete vom Gesandten Allahs (sas):

„Wer von euch etwas zu Verabscheuendes sieht, soll es mit seiner Hand verändern, und wenn er dies nicht vermag, soll er es mit seiner Zunge verändern, und wenn er (selbst) das nicht vermag, dann mit seinem Herzen, und dies ist das Mindeste an Glauben.“ (Hadith an-Nawawi)

Und so Allah will, findet sich in all dem irgendein Nutzen.

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