Monday, November 20th, 2017
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Feindbild Islam – Denn wenn er nicht mehr ist, wird alles gut!

Da scheint sich die Eidgenössisch-Demokratische Union ja einen Scharia-Experten ins Boot geholt zu haben – oder besser: vielleicht hätten sie es tun sollen, denn dann wären wohl nicht so hanebüchene Aussagen, wie sie derzeit auf

Stopp-Islamisierung

Da scheint sich die Eidgenössisch-Demokratische Union ja einen Scharia-Experten ins Boot geholt zu haben – oder besser: vielleicht hätten sie es tun sollen, denn dann wären wohl nicht so hanebüchene Aussagen, wie sie derzeit auf deren Wahl-Werbe-Flyern für Liste 32 prangern, zustande gekommen.

Dementsprechend ist die EDU auch überzeugt, dass ich als gläubige Muslima nun eigentlich losziehen müsste, um diese Ungläubigen – deren EDU-Definition als Nicht-Muslime übrigens falsch ist – zu töten, doch im Sinne der islamischen Nächstenliebe und meiner Pflicht als Mensch im Islam, Wissen weiterzugeben, werde ich gerne über diese Dinge aufklären, welche die Damen und Herren zu verwirren scheinen, denn es heisst ja sinngemäss: „Wer ein Wissen, das er hat, verschweigt, dem wird am Tage der Auferstehung ein Zaumzeug aus Feuer aufgesetzt“ (Ahmad), und das will ich nun wirklich nicht riskieren.

Also gehen wir das einmal gemeinsam durch: die Burka, die es zu verbieten gilt, ist ein meist blaues Gewand, das von Kopf bis Fuss geht und bei dem die Augen von einem Stoffgitter verdeckt werden. Was da so wunderbar plakativ abgedruckt ist, soll wohl eher einen Niqab darstellen, aber das nur am Rande. Worum es in diesem Absatz eigentlich gehen sollte: abgesehen davon, dass nur eine kleine Minderheit der in der Schweiz lebenden Muslimas sich überhaupt dazu entschlossen hat, das Gesicht zu bedecken, geschieht dies nicht im Sinne eines „öffentlich sichtbaren Protests gegen die westliche Gesellschaft“ – wie auch immer diese sich definiert – oder als Demonstration der Unterwerfung unter die Scharia – gemäss der Mehrheitsmeinung islamischer Rechtsgelehrter ist nämlich lediglich der sogenannte Hijab Pflicht – sondern aus dem Wunsch heraus, einen besonderen Gottesdienst zu leisten. Und auch wenn einer der Plakat-Muslimas noch so werbewirksam ein Tränchen aus dem Auge fliesst, kann das nicht darüber hinwegtäuschen, dass es hierbei eben nicht um die Stimmen der muslimischen Frauen geht, die gehört werden sollen, sondern lediglich um das wahlbedingte Geltungsbedürfnis der EDU.
Nächster Punkt: Polygamie. Als Partei, die den Staat dazu auffordert, sich zu den christlich-jüdischen Werten zu bekennen und die Christen, ihren Glauben konsequenter zu leben, sollte sich wahrlich folgende Frage stellen:
In einer Gesellschaft, in der immer weniger Ehen geschlossen werden, die Scheidungsrate dennoch bei 50% liegt, 36% der Frauen und 44% der Männer zugeben, schon einmal fremdgegangen zu sein, und 72% träumen, es gerne einmal tun zu wollen, sind es da tatsächlich einvernehmlich geschlossene polygame Beziehungen, in denen jeder seine Rechte und Pflichten gegenüber dem anderen wahrnimmt, und die in gegenseitigem Respekt und Liebe geführt werden, welche den Untergang des Abendlandes bedeuten? Und bevor nun vorschnell geantwortet wird, bitte ich zu bedenken, dass die Polygamie – im Gegensatz zu Ehebruch – zwar von der Kirche klar abgelehnt, im Neuen Testament jedoch nie erwähnt wird und im Alten gar üblich war.
Dass es nun durchaus – wenn auch nicht ausschliesslich – sich selbst als Muslime deklarierende Menschen sind, die einem kulturellen Ehrbegriff folgend Ehrenmorde begehen, der Islam jedoch keinerlei Grundlage dafür bietet, scheint der EDU bei ihren sicherlich gründlichen und mit bestem Wissen und Gewissen vollzogenen Recherchen – wir wollen ja niemandem absichtliche Desinformation der Bevölkerung und Polemik unterstellen – offenbar entgangen zu sein.
Ähnliches Missgeschick ist ihnen dann wohl auch bei der Frage nach der Beschneidung von Mädchen unterlaufen. So sind nämlich bei weitem nicht nur muslimische Mädchen von FGM betroffen, sondern auch jene aus christlichen oder einer Naturreligion angehörenden Familien, was wohl deshalb unterschlagen wird, weil man dann zugeben müsste, dass es sich bei dieser schändlichen, gefährlichen Praxis nicht um eine religiöse, sondern um eine soziale Norm handelt, von der leider weltweit noch immer schätzungsweise 125 Mädchen und Frauen betroffen sind.
Und nun noch ein paar Worte zu einem Thema, welches sich so furchtbar hartnäckig in den Köpfen der Menschen hält: Zwangsheirat ist im Islam nicht erlaubt, egal wer auch immer Selbiges behauptet, denn Abu Huraira berichtete, dass der Prophet (saws) sagte: „Eine Frau, deren Wiederverheiratung bevorsteht, darf nicht verheiratet werden, bis sie dies selbst zulässt. Dagegen darf eine Jungfrau erst verheiratet werden, wenn sie zuvor nach ihrer Einwilligung gefragt wurde.“ […]. (al-Bukhari)

Nachdem ich also versucht habe, ein wenig Licht ins Dunkle zu bringen, vielleicht noch ein abschliessender, von Herzen kommender Tipp an die EDU:
Wenn ihr nun schon erkannt haben wollt, dass die Christen und Kirchen in diesem Land mitverantwortlich für den weitgehend gottlosen und dekadenten Zustand der Schweizer Gesellschaft sind, die Bibel durch andere Ideologien verwässert wurde und biblisches Gedankengut nicht konsequent als Massstab dient, wie ihr auf eurer Website schreibt und es offenbar bedauert, weshalb konzentriert ihr euch dann nicht zuallererst auf euch selbst? Weshalb ruft ihr nicht dazu auf, dass sich all jene Christen, die einst getauft wurden, zu den christlichen Lehren bekennen und sie implementieren?

Wir Muslime sind nicht eure Feinde, doch es scheint, als führten wir euch vor Augen, dass christliche Werte und Religionspraxis mehr und mehr in der Bedeutungslosigkeit versinken, leere Worthülsen, die kaum noch jemand mit Sinn zu füllen vermag.
In diesem Sinne: klemmt euch hinter die Bibel, wenn euch das stört, beginnt bei euch selbst und vor allem: Hört auf, falsch Zeugnis zu reden wider eurer Nächsten!

Bis zur Veröffentlichung dieses Artikels war die EDU für keine Stellungnahme zu erreichen.

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