Monday, November 20th, 2017
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„Nuhr ist ein sturköpfiger, kleinkarierter, nachtragender Lügner“

Erhat Toka erstattete Anzeige gegen den "Kabarettisten" Dieter Nuhr aufgrund einiger seiner Aussagen über den Islam und die Muslime und wurde dadurch über die Landesgrenzen Deutschlands bekannt. Qalam führte ein Interview über seine Beweggründe und was danach geschah.   Können Sie

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Erhat Toka erstattete Anzeige gegen den „Kabarettisten“ Dieter Nuhr aufgrund einiger seiner Aussagen über den Islam und die Muslime und wurde dadurch über die Landesgrenzen Deutschlands bekannt. Qalam führte ein Interview über seine Beweggründe und was danach geschah.

 

Können Sie uns etwas über Ihre Person sagen?

TOKA: Ich bin in Lengerich geboren und aufgewachsen. Nach der Schule habe ich eine Ausbildung als Industriemechaniker gemacht und eine Zeit lang in dem Beruf gearbeitet. Dann habe ich mich mit einer Kampfsportschule selbständig gemacht. Jetzt arbeite ich als Küchenmonteur.

 

Sie wurden im Zusammenhang mit dem „Kabarettisten“ Dieter Nuhr berühmt. Wie kam es dazu?

TOKA: Berühmt hört sich für mich befremdlich an. Ich wollte eigentlich nur meine Ablehnung gegenüber seiner Hetze zum Ausdruck bringen. Ich wollte so eine Hetze nicht in Osnabrück haben. Die Neue Osnabrücker Zeitung hat nach einem Interview wegen der Kundgebung angefragt. Ich habe zuerst abgelehnt und dann zugesagt. RTL Nord wollte auch ein Interview. Denen habe ich abgesagt. Ich wollte also gar nicht berühmt werden und sehe mich auch nicht so.

Zur Sache: Dieter Nuhr hetzt ganz offen gegen den Islam und die Menge an Zuschauer applaudiert und jubelt ihm zu. Das war erschreckend für mich. Mich wunderte es, dass bisher kein Muslim gegen ihn vorgegangen ist. Ich habe bereits im Februar 2014 die Kundgebung angemeldet, obwohl der Auftritt von Nuhr, um den es ging, im Oktober sein sollte. Ich wollte seinen Auftritt verhindern. Ich habe alle Parteien angeschrieben, den Runden Tisch der Religion und alle Moscheen. Ich habe auch mit dem Oberbürgermeister gesprochen. Niemand hatte Interesse, etwas zu unternehmen. Würde ich versuchen, Pierre Vogel nach Osnabrück einzuladen, hätten sich die Moscheen mit den Politikern und dem Runden Tisch zusammengetan, um den Auftritt zu verhindern.

 

Wie sieht es jetzt aktuell in dieser Hinsicht aus? Haben Sie Konsequenzen erlebt?

Ich habe den Kampf gegen diesen Hassprediger moralisch gewonnen. Durch den Streit und die Gerichtsverfahren kam das wahre Gesicht des Dieter Nuhr zum Vorschein. Er ist ein sturköpfiger, kleinkarierter, nachtragender Lügner. Er beruft sich immer auf die Meinungsfreiheit und beleidigt die Muslime, aber ich durfte ihn nicht Hassprediger nennen. Als er von der Kundgebung erfuhr, hat er mich direkt wegen Bedrohung angezeigt. Die Konsequenz ist, dass ich keine Geschäftspartner finde. Wenn man bei Google meinen Namen eingibt, bekommt man Angst. Ich werde als Islamist, Salafist und Terrorist bezeichnet. Und das alles nur, weil ich die mir vom Gesetz gegebenen Möglichkeiten genutzt habe, meinen Unmut kundzutun. Die Medien haben es aber so dargestellt, als ob ich zur Ermordung von Nuhr aufgerufen hatte. Eigentlich war ihr Problem, dass sich ein Muslim anmaßen konnte, sich gegen Hetze zu wehren.

 

Was für Rückmeldungen haben sie erhalten und wie gingen sie damit um?

TOKA: Ich bekam ganz viele beleidigende und bedrohliche Emails, Briefe und Anrufe. Mir wurde mehrfach mit dem Tod gedroht. Aber das ging mir am Allerwertesten vorbei. Mir haben Juden, Christen und Muslime ihre Anerkennung gezeigt. Das war mir wichtig.

 

Wie reagierte die muslimische Gemeinschaft auf ihre Eigeninitiative?

TOKA: Die versuchte mich von meiner Idee abzubringen. Das sah man ja auch an der geringen Zahl der Teilnehmer. Sie glauben immer, dass Aktionen gegen Hetzer dem Ansehen des Islam schaden würde. Fragen Sie mich bitte nicht, wie das gehen sollen. Wir werden von Menschen in der Öffentlichkeit vertreten, die kein Deutsch können und die Gesetze nicht kennen. Klar, dass man solche Leute leicht einschüchtern kann. Ich habe mit meiner Aktion Dieter Nuhr geschadet und nicht dem Islam. Dieter Nuhr sagt jetzt gar nichts mehr gegen den Islam.

 

Sie haben mehrmals auf Ihrem privaten Facebook-Account geschrieben, dass diese Aktion vom ZMD unterstützt sogar initiert werden müsste. Wieso?

TOKA: Da stellt sich jemand vor einem Millionenpublikum auf die Fernsehbühne und erzählt Lügen über den Islam und stellt die Muslime als barbarisch, dumm und rückständig dar. Wenn Nuhr das mit dem Judentum machen würde, würde er vom Zentralrat der Juden mächtig eins auf den Deckel bekommen. Der ZMD vertritt augenscheinlich die Muslime in Deutschland, doch das stimmt nicht. Der ZMD ist der kleinste islamische Verband in Deutschland. DITIB hat 900 Moschegemeinden, IGMG 450 und VIKZ 350. Der ZMD dagegen nur 24. Wie kann dann ein so unbedeutender Verein soviel Aufmerksamkeit bekommen?

 

Welche Erwartungen hatten Sie an den ZMD ?

Ich hatte keinerlei Erwartungen an den ZMD. Ich kenne den ZMD und seinen Vorsitzenden Aiman Mazyek schon länger und weiss, dass sie obsolet sind. Aiman Mazyek ist für mich ein Verräter und Heuchler. Er mimt immer den guten Muslim und schmeichelt sich bei der Regierung und den Medien durch ein äusserst liberales Verständniss vom Islam ein. Immer wenn es darum geht, Muslime zu diskreditieren und zu verurteilen, ist Mazyek sofort zur Stelle. Aber wenn es um die Rechte der Muslime geht, sieht und hört man nichts von ihm. Er treibt sich lieber auf Karnevalsveranstaltungen rum und lässt sich von leicht bekleideten Damen zur Bütt begleiten. Bei meiner Aktion gegen Dieter Nuhr sagt Aiman Mazyek „Erhat Toka ist bekannt als jemand, der immer mal wieder aufwiegelt, Stress mit der Gemeinde macht und bereits mit der obskuren Idee einer muslimischen Partei in Erscheinung getreten ist“. Wenn das nicht Verrat an der islamischen Angelegenheit ist, was dann? So eine Aussage hätte ich von der NPD oder AfD erwartet, aber nicht von einem muslimischen Vertreter. Warum kann er sich sowas leisten? Wieso darf er uns verraten und keiner sagt was dagegen?

 

Wie sieht die ideale Vertretung der Muslime aus ihrer Sicht aus?

TOKA: Eine Person, die mutig ist und versteht, wie Lobbyarbeit funktioniert. Jemand, der nicht beschwichtigt, sondern Tacheles redet. Jemand, der ehrlich mit der Gegenseite in Gespräche tritt. Jemand, an dessen Äusseren man schon sehen kann, dass er die Werte des Islams kennt und lebt. Man muss gut organisiert und vernetzt sein, um so eine wichtige Aufgabe zu erfüllen. Aber Aiman Mazyek ist in der Vergangenheit öfters mit seinen Alleingängen in Erscheinung getreten. Dafür wurde er von den übrigen Verbänden kritisiert.

 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft von den Verbänden in Deutschland?

TOKA: Von den Verbänden wünsche ich mir, dass sie sich nicht so gebaren, als ob sie auf Augenhöhe mit den Parteien verhandeln könnten. Das können sie nicht. Immer, wenn islamische Verbände mit der Regierung verhandelt haben, waren die Muslime diejenigen, die das Nachsehen hatten, so wie die Deutsche Islamkonferenz. Was hat sie gebracht? Wie kann man sich mit Nejla Kelek oder Hamed-Abdel Samed, die von der Regierung als Experten hinzugezogen werden, an einen Verhandlungstisch setzen? Das ist ein Affront gegen die Muslime. Man würde ja auch keine Nazis zu einer Judentumskonferenz einladen. Dass die Verbände keine Macht haben, sieht man auch an den verdachtsunabhängigen Moscheekontrollen in Niedersachsen. Da wurden Muslime nach dem Freitagsgebet von der Polizei ohne Grund und – wie sich im Nachhinein herausstellte – gesetzeswidrig wie Verbrecher behandelt und ihre Ausweise kontrolliert. Was konnten die Verbände dagegen tun? Nichts. In Osnabrück gibt es einen Polizisten des Staatsschutzes, der türkisch und arabisch konnte. Der war jeden Freitag in einer anderen Moschee, hat sich dort in eine Ecke gesetzt und die Freitagspredigt angehört. Das war eine Unverschämtheit. Der Moscheevorstand hatte Angst, etwas dagegen zu tun. Sie wollten lieber kooperieren, aber das hat sie nicht vor den verdachtsunabhängigen Kontrollen bewahrt. Also warum kooperieren, wenn es doch sowieso nichts bringt? Wer hat dafür gesorgt, dass die Kontrollen aufhören? Eine kleine Landtagsabgeordnete der Grünen. Filiz Polat hat im Landtag eine kleine Anfrage über den Sinn und die Ergebnisse dieser Kontrollen gestellt. Kurz darauf wurden die Kontrollen eingestellt. Eine einfache Abgeordnete hat in Deutschland mehr Macht, als alle islamischen Verbände mit hunderttausenden Mitgliedern zusammen. Die Verbände müssen sich auf ihre Verbandsarbeit konzentrieren. Das machen sie gut und dabei soll es bleiben. Es interessiert sie ohnehin nicht dafür, was ausserhalb ihrer Verbände passiert. Und wenn sie etwas machen, dann nur halbherzig. Wenn sie Wert auf qualitativ hochwertige Vertretung legen würden, würden sie es niemals zulassen, dass Leute wie Mazyek in ihrem Namen sprechen. Das tut er, wenn er im Rotationsverfahren alle paar Jahre der Sprecher des Koordinierungsrates der Muslime ist. Aiman Mazyek würde in einer kleinen IGMG-Moschee in einem kleinen Dorf nicht mal als Beisitzer gewählt werden. Wie wir im Fall der verdachtsunabhängigen Moscheekontrollen sehen, ist die Lösung eine Partei, die sich für die Interessen der Muslime einsetzt. Dafür haben wir 2011 die MDU-Muslimisch Demokratische Union gegründet. Im Jahre 2013 haben wir uns mit der BIG- Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit zusammengeschlossen. Nur eine Partei kann das Kräfteverhältnis wieder ins Gleichgewicht bringen.

 

Ist eine politische Partei die einizge Lösung, die sie hierfür sehen?

Die Muslime haben defacto keine Vertretung. Weder eine politische noch ein öffentliche. Sie haben nur einen Clown namens Aiman Mazyek, der immer den guten Muslim mimt und immer zur Stelle ist, wenn man einen Muslim braucht, der andere Muslime verurteilt. Es gibt muslimische Verbände, die gute Arbeit innerhalb ihrer Verbände leisten. Sie sind aber dem Trugschluss erlegen, dass sie die Politik und Gesetze beeinflussen könnten. Sie haben immer verloren, wenn sie sich auf das Feld begeben haben und die Muslime sind die Leidtragenden. Die BIG-Partei ist ja nicht nur da, um die Muslime zu vertreten. Wir wollen Politik für die gesamte Gesellschaft machen. Unser ethischer Ansatz ist halt der Islam. Die muslimischen Verbände sind Vereine und müssen Lobbyarbeit machen. Das tun sie aber nicht. Die lassen sich die ganze Zeit von der Politik hin und her schubsen. Eine Partei, die sie unterstützt, kann nur zu ihrem Vorteil sein. Also ein Art Missing-Link. Das Problem ist, dass die Verbände eine muslimische Partei als Konkurrenz sehen und diese bekämpfen. So ist es uns mit der MDU ganz schlimm ergangen. Über meine Erfahrungen könnte ich ein Buch schreiben, über einen Verband ganz besonders, aber dazu nach den Wahlen vielleicht mehr.

 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft von jedem einzelnen Muslim in Deutschland?

TOKA: Die Muslime müssen aufhören davon zu träumen, irgendwann wieder in die Heimat zurückzukehren. Das hat die Dawa bisher aufgehalten. Die Menschen, die uns in Deutschland vertreten, können meistens kein deutsch und wollen wieder zurück. Die Muslime müssen anfangen, selbständig zu denken und nicht ihre Hoffnungen immer auf ihre Verbände setzen. Wir müssen selbstbewusst werden. Wir haben uns für nichts zu schämen. Nicht unsere Vorfahren haben die Indianer ausgerottet, die indigenen Völker abgeschlachtet, die Kreuzzüge durchgeführt und zwei Weltkriege angezettelt. Unsere Geschichte ist rein von solchen Barbereien. Die Muslime müssen sich unabhängig von den Verbänden zusammenschließen und europaweit vernetzen. Leider ist meine Erfahrung, dass die Verbände nicht über ihre Verbandsarbeit hinausschauen können. Wir müssen die Sache selbst in die Hand nehmen.

 

Wie gehts jetzt weiter? Privat oder auch politisch?

TOKA: Ich bin wieder Vater geworden und freue mich des Lebens. In Niedersachsen sind im September diesen Jahres Kommunalwahlen. Daran wollen wir als BIG-Partei teilnehmen. Und insha Allah wird es diesmal klappen, in den Stadtrat einzuziehen. Beim letzten Mal ist es an 50-100 Stimmen gescheitert. Aber diesmal sind wir besser vorbereitet.

 

Vielen Dank für das Interview.

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