Monday, September 25th, 2017
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Der mit Gott hadert

  Hochmut nährt wie Luft das Feuer, die Flammen verzehren die Seele; gequält verstummt sie ungehört und ein taubes Herz wird Stein. Eine banale Hülle ist kein Mensch, vielmehr ein Schatten und ein Schein. Sogar ist ein mächtiger König nicht gefeit vor Drangsal

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Hochmut nährt wie Luft das Feuer,
die Flammen verzehren die Seele;
gequält verstummt sie ungehört
und ein taubes Herz wird Stein.

Eine banale Hülle ist kein Mensch,
vielmehr ein Schatten und ein Schein.
Sogar ist ein mächtiger König
nicht gefeit vor Drangsal und Pein.

Armselig ist derjenige wohl,
der nach jeder Freude dürstet,
damit sein blind tobender Groll
erträglich und gelindert würde.

Zuletzt ist sein erbitterter Schrei
wahnsinnig vor Übermut,
Gott gleich geliebt zu sein,
doch niemand hört mehr seinen Ruf.

Das Leben hat ihn geschmückt,
dies täuscht aber nicht den Tod,
bloss ihn selbst und andere,
drum irrtümlich nur das Glück.

So ist die List und bleibt es auch,
denn krank und elend ist gewiss,
wer den Trug nicht erkennt
und den Feind zum Freund ernennt.

Revoltiert er also gegen Gott,
so tut er selbst sich Unrecht;
der Verdruss schaut im Spiegel
und die Seele klagt untröstlich.

Erbärmlich verkümmert das Herz
wegen dem, was das Selbst tut.
Dröhnend, ohnmächtig vor Schmerz
ist er nun eigen Opfer seiner Wut.

Seinen Hass richtet er gegen Gott
und letztlich schadet dies ihm selber;
er ist ja bloss ein plumpes Werkzeug
für den Widersacher und den Frevler.

Durchaus erfüllen sein Dasein vollumfänglich
die anscheinenden Früchte seiner Saat,
im Wohlgefallen des ewig Verfluchten
verrichtet er seine verdorbene Untat.

So kann er seiner Willkür folgen
und Gott wird‘s allemal noch dulden,
denn Er ist durchaus nicht angewiesen;
jeder besorgt sein eigenes Verschulden.

Er kann weit hinauf in den Himmel fluchen
und tief hinab in die dunkle Erde steigen.
Sein Schicksal ist dann für immer besiegelt,
der Lügner hat sein Versprechen gehalten.

Im Grab wird er wahrlich einsam sein
und niemand wird ihn erretten,
niemand wird ihm Gehör schenken
und niemand wird ihm mehr gedenken.

Nur die Hölle wird ihn dann noch rufen
in das Feuer, das er sich geschürt
und es wird nach ihm verlangen,
woraus kein Ausweg mehr führt.

Darin erhält er all sein Verdienst,
den er sich in Auflehnung angehäuft
und immerdar sein Herz damit vergrault,
weil er selbstgerecht in Hader schmort.

Er kann vergebens viel Gutes tun;
sein Handeln verpufft im nichts.
Der Verderber sorgt fleissig sich drum,
dass der Diener seinen Lohn nicht misst.

So höhnt der und spottet heiter
über die verirrten kleinen Seelen
und lockt sie mit grossem Eifer,
doch seine Frist wird alsbald vergehen.

Folge nur, du klägliches Menschlein
vermeintlich sehend in der Finsternis,
gleichwohl gierig nach jedem Lichtlein
festen Schrittes in die Verdammnis.

So willst du es, so sollst du’s haben.
Du bist frei und mündig in deinem Tun.
Wer in seinem Willen übertreibt,
hat sich freilich selbst zu klagen.

Selbstgefällig sind jene Blender,
die sich eigens zu Götter nehmen
und erdichten, wie Gott zu sein hat!
Wer, ausser Gott, sagt, wie Gott ist!

Das Leben ward von nichts?
Und doch will er lebendig sein?
Er bleibt doch nur einen Augenblick
in der trostlosen Vergänglichkeit.

Wie einfältig und ignorant
zu denken, Gott sähe ihn nicht
und wisse nicht, was er tut.
So tut er weiter gegen sich.

An seinem ersten Tag dann
wird er staunend stehen
und beschämt vernehmen,
was ihm verheissen ward.

Kein Zurück und kein Flehen,
kein Klagen und kein Beten
wird seine Seele noch freigeben,
dann ist es schon um ihn geschehen.

Geradeso hat er gelebt,
ebenso wird er sterben
und seine gepeinigte Seele
wird Zeugnis ablegen:

„Er hat sich nimmer geschämt,
sich Gott ebenbürtig zu sehen
und nie hat er demütig gesenkt
zur Erde nieder seine Stirn.

Dahin schritt er hochmütig im Leben,
sicher wähnend, das Rechte zu wissen
und das Schlechte etwa kennend,
wo Gott ihn doch weit irren liess.“

Es mag ihn dann vielleicht noch
seine törichte Dummheit entlasten,
seine arglose Unwissenheit
oder sein letzter Funke Glaube.

Wenn nicht dies, dann wird es sein,
dass die Gerechtigkeit zuletzt spricht
gegen ihn und seine Gunst,
dann ist er für ewig verloren.

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