Monday, November 20th, 2017
Home / News  / Burkiniverbot in Cannes

Burkiniverbot in Cannes

Ja, ich habe es mir angetan. Ich habe den neusten Artikel über das nächste Verbot der „Grande Nation“, die sich einstmals „liberté und egalité“ auf die Fahne geschrieben hatte, gelesen. Nach dem letzten Bericht über

Foto: Stephanie Pilick/dpa

Ja, ich habe es mir angetan. Ich habe den neusten Artikel über das nächste Verbot der „Grande Nation“, die sich einstmals „liberté und egalité“ auf die Fahne geschrieben hatte, gelesen. Nach dem letzten Bericht über den Zwang in einem Halal-Supermarkt, Alkohol und Schweinefleisch zu verkaufen, um der drohenden Schliessung zu entgehen, hatte ich gedacht, es könne nicht mehr schlimmer kommen. Ich habe mich getäuscht.

Nun staunt die muslimische Welt über die nächste Freiheitseinschränkung, schliesslich konnten auch das Kopftuchverbot für Schülerinnen, das nationale Niqabverbot, die scharfen Antiterrorgesetze und der monatelange Ausnahmezustand die Terroranschläge in Nizza nicht verhindern. Und nun soll es das Burkiniverbot in Cannes  richten? Schlimmer als dieser Verbotswahnsinn finde ich dessen Begründung: „es [das Burkini] weist auf eine Zugehörigkeit zu einer terroristischen Bewegung hin, die im Krieg gegen Frankreich ist“, wie Generaldirektor der städtischen Dienste, Thierry Migoule, der AFP erklärte. Wie bitte? Das Burkini, welches eine übliche Bekleidung vieler praktizierenden Musliminnen ist, wenn sie baden gehen, weise auf eine terroristische Bewegung hin? Welcher Bewegung? Dieses Vorgehen ist nichts weiter als ein klarer Angriff auf die islamischen Werte. Die Unterstellung, dass jeder islamischer Wert potentiell mit terroristischen Gruppierungen im Zusammenhang steht und verboten gehört, ist schwachsinnig und gefährlich. Unter dem Vorwand der Sicherheit wird hier mit Repressionen und einer Zweiklassengesetzgebung reagiert, welche sich klar gegen Muslime richten. Zudem unterstellt man den Muslimen, dass sie in irgendeiner Weise Mitschuld an jenen Anschläge hätten, zu dessen Opfer sie gehörten – ein Drittel der Opfer in Nizza waren Muslime – und mit denen sie sich von Beginn an solidarisiert haben. Eine Differenzierung zwischen kriminellen Subjekten und der eigenen muslimischen Minderheit, die sich nichts hat zu Schulden kommen, täte der französischen Regierung zweifellos gut.

Darum frage ich mich, wie diese repressiven Massnahmen gegen die immerhin fünf Millionen muslimischen Bürger in Frankreich den Terror unterbinden sollten? Sind diese intoleranten Freiheitsbeschränkungen nicht viel mehr schädigend für den gesellschaftlichen Zusammenhalt? Für den Ahmed-Normalmuslim bedeuten diese Verbote nämlich: Du gehörst nicht hierher, du stehst unter Generalverdacht. Entweder assimilierst du dich soweit in deinem Glauben, dass davon nichts ausser deinem muslimischen Namen übrig bleibt oder deine Glaubenspraxis wird dermassen dämonisiert und verboten, dass du dich hier unwohl und fremd fühlen wirst.

Natürlich obliegt es der französischen Regierung, auch in Zukunft weiter diesen Kurs zu fahren, doch sollte sie dann doch bitte nicht von „liberté“ und „egalité“ sprechen und sich über ein weiteres Auseinanderdriften der Gesellschaft wundern.

Review overview
NO COMMENTS

POST A COMMENT

0Followers