Monday, November 20th, 2017
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Besuch der Islamwoche

Vom 13. bis zum 17. April fand an der Universität Zürich die erste Islamwoche statt, in der, organisiert von den Mitgliedern der Muslim Students Association Zürich, kurz MSAZ, ein vielfältiges Programm rund um den Islam

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Vom 13. bis zum 17. April fand an der Universität Zürich die erste Islamwoche statt, in der, organisiert von den Mitgliedern der Muslim Students Association Zürich, kurz MSAZ, ein vielfältiges Programm rund um den Islam präsentiert wurde. So wurden im grossen Lichthof der Universität eine Reihe von durch muslimische Studenten gestaltete Poster ausgestellt, mit Hilfe derer sich die Besucher über diverse Themenbereiche im Islam informieren konnten.
Wer sich also dafür interessierte, konnte sich durch die Poster lesen und an den ausgelegten Handouts bedienen, nebenan einen Kaffee aus der Maschine lassen und sich an einem der Tische der Lektüre hingeben oder die fleissigen Studenten bei ihrer vertieften Arbeit am Laptop und mit Fachbüchern beobachten.

Das Wochenprogramm war durchzogen von verschiedenen Veranstaltungen und Aktionsständen: bei Mehndi by Sahla durften die Frauen ihre Hände mit Henna schmücken lassen oder sich am Kopftuchstand „Auf Tuchfühlung“ mal in das Kopftuch wagen, es ausprobieren, erforschen und Fragen an die bereitstehenden Musliminnen stellen. Die mittlerweile recht bekannte Zeichnerin Soufeina „Tuffix“ aus Deutschland stellte ihre Cartoons aus und der Künstler Daniel Reichenbach führte durch seine kalligrafischen Arbeiten, während er auch gerne bereit war, den Namen interessierter Besucher auf deren Wunsch hin darzustellen. Prof. Dr. Ulrich Rudolph, Leiter der Abteilung für Islamwissenschaft an der Universität Zürich, sprach über die Aufgaben und den Stand der Islamwissenschaft und Amani Abuzahra aus Wien, Vorstandsmitglied von „Junge Musliminnen Österreich“ (JMÖ), hielt ihr Referat unter dem Titel „Hybride Identitäten: Europas junge MuslimInnen“ über gesellschaftliche Herausforderungen, Islamophobie, Identitätsfindung in der Globalisierung und konstruktive Zielsetzungen für eine gemeinsame Zukunft. Abschliessend fand dann noch ein öffentliches Freitagsgebet statt, um den Nichtmuslimen einen Einblick in einen wichtigen Teil des Alltagslebens von Muslimen zu geben. Auch hier konnten sich Interessierte wieder mit Hilfe eines entsprechendes Flyers über das Freitagsgebet im Speziellen und das rituelle Gebet generell informieren.

Grundsätzlich kann man sagen, dass die Organisatoren in jedem Fall bemüht waren, ein vielfältiges und informatives Angebot zum Thema Islam zu gestalten, welches die Menschen anspricht und hilft, Hürden abzubauen. So ist denn wohl allen klar, dass zum Beispiel die Henna-Bemalung bei Frauen in den Ländern der arabischen Welt zwar weit verbreitet ist, dennoch nur sehr wenig mit dem Islam oder seinen Traditionen zu tun hat, was auch entsprechend kommuniziert wurde.

Viel mehr waren wir hingegen darüber erstaunt und enttäuscht, dass der Kopftuchstand „Auf Tuchfühlung“ dann auch genau das war: ein Kopftuchstand. Der islamische Hijab jedoch ist mehr als das blosse Verdecken der Haare mit möglichst bunten, individuell wirkenden Stücken Stoff, denn er bezieht sich auf den ganzen Körper und dessen Verhüllung. So wäre es beispielsweise denkbar gewesen, die verschiedenen Formen des Hijab, so wie sie in der Realität von Frauen getragen werden, bildlich darzustellen und damit zu verdeutlichen, dass eine Frau in langem schwarzen Kleid oder mit weitem Rock nicht etwa „extremistisch“ ist oder übertreibt – sieht man doch auf den Strassen eine Menge muslimischer Frauen, die ihre Kopftuch zu Jeans und Bluse tragen –, sondern letztlich nur versucht, sich möglichst genau an die Kriterien des Hijab, wie sie in den religiösen Schriften angeführt sind, zu halten: er darf nicht eng sein und dabei die Körperformen zu Schau stellen und muss den gesamten Körper bedecken, er darf nicht parfümiert oder durchsichtig sein, er soll nicht für sich Schmuck sein oder aus Eitelkeit getragen werden. Darüber hinaus gehört es zu den Kriterien des Hijab, dass er in seinem Stil weder den Kleidern der Männer, noch denen der Nichtmuslimen ähnelt. Auf am Stand ausliegendem Flyer fehlte gerade letzte Information, vielleicht aus Angst vor einer Konfrontation, was zwar in gewisser Weise verständlich ist, doch sollte man sich als Muslim niemals der Gebote Allahs schämen, auch wenn es vielleicht einmal zu einem Konflikt führen kann.

Neben den beiden präsentierten Referaten, die beide auf ihre eigene Weise spannend, informativ und bereichernd waren, wäre es ausserdem noch wünschenswert gewesen, entweder ebenfalls einen Vortrag eines muslimischen Gelehrten über den Islam und seine Inhalte zu hören, oder Nichtmuslimen die Möglichkeit zu bieten, mit einer entsprechend qualifizierten Person zu diskutieren und ihr Fragen zu stellen, denn natürlich sind der Islam und seine Stellung innerhalb der europäischen Gesellschaft momentan ein heisses Eisen, sowohl für die Muslime, als auch für alle anderen, doch sollte diese grossartige Möglichkeit einer Islamwoche an der Universität auch dazu genutzt werden können, abseits der Posterausstellung noch intensiver auf die religiösen Inhalte einzugehen, über den Glauben zu informieren und aufzuklären.

Nun, nach einer Veranstaltung ist man natürlich immer schlauer und gerade als Unbeteiligter lässt sich vielleicht einfacher kritisieren, als wenn man das eigene Anliegen am Ende auch bei allen Beteiligten einstimmig durchsetzen muss, aber nach der Islamwoche ist auch vor der Islamwoche und vielleicht hilft unser Feedback ja am Ende dabei, neuen Ideen und Konzepten für die nächste Islamwoche den Weg zu ebnen und motiviert die muslimischen Studenten der Universität Zürich dazu, sich selbst und vor allem den Islam dann noch selbstbewusster zu präsentieren.

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Vortrag: Europas junge Musliminnen

Lichthof

Lichthof

Poster

Poster

Einführung von MSAZ-Präsidentin

Einführung von MSAZ-Präsidentin

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