Sunday, December 16th, 2018
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Ach, du liebes Bern!

[video width="640" height="352" mp4="http://qalam.ch/wp-content/uploads/2015/03/VID-20150326-WA0000.mp4"][/video] Bern ist eine charmante Stadt. Auch wenn die Zürcher lieber ihre Stadt als Hauptstadt sehen würden, verdient es die Zähringerstadt doch mehr. Der Titel des UNESCO Weltkulturerbes ist meiner Meinung nach in

Bern ist eine charmante Stadt. Auch wenn die Zürcher lieber ihre Stadt als Hauptstadt sehen würden, verdient es die Zähringerstadt doch mehr. Der Titel des UNESCO Weltkulturerbes ist meiner Meinung nach in vielerlei Hinsicht verdient. Einer der vielen Vorteile in Bern arbeitstätig zu sein ist es, dass man das politische Geschehen des Landes direkt und live miterlebt, wird doch hier im Bundeshaus das Land regiert und so werden auch die meisten politisch motivierten Demonstrationen hier abgehalten. Das wiederum bringt enorme Steuerausgaben für die Sicherheitskräfte und den Wiederaufbau mit sich.

Jedem Berner ein Begriff, wenn üble Demonstranten und/oder Randalierer die Stadt verwüsten: der schwarze Block. Radikale Linke oder wahlweise Anarchisten treiben leider des öfteren ihr Unwesen und die Liste der Schäden ist lang, wobei der 1. Mai bei weitem nicht der einzige Tag für durch Demonstrationen bedingte Verwüstungen ist.

Heute überraschte mich auf dem Weg zu einem Geschäftstreffen eine grosse Menschenmenge am Bahnhof. Lange dachte ich über das Fest nach, dass heute stattfinden und dessen Namen mir entfallen sein musste, aber mir wollte es partout nicht in den Sinn kommen. Nachdem ich in der Altstadt meine dringend notwendigen Einkäufe getätigt hatte, machte ich mich auf zur Bushaltestelle und bemerkte, dass keine Tram und kein Bus mehr am Bahnhof ein- oder ausfuhren. „Was ist denn hier los?“ frage ich eine Passantin – „Demo vor dem Media-Markt “ entgegnete sie mir. Stimmt, denke ich, heute ist doch die Media-Markt-Neueröffnung. Sozialisten haben es eben nicht so mit dem Kapitalismus, daher wohl auch die kurzfristige und unangemeldete Demo. Just vor der Bushaltestelle, die mich zum Meeting fahren sollte, flogen nun also Bierflaschen, Konfetti, alte Elektrogeräte und einiges mehr in Richtung Media-Markt-Fensterscheiben. Die Scheiben lagen folglich bereits in Scherben, die Mitarbeiter standen mit grossen Augen hinter der (noch) vollständigen Glaswand an der Kasse, eingesperrt und vermutlich mehr als nur leicht schockiert. Schaulustige wie ich filmten das Geschehen.

Später hat dann ein grosses, behelmtes Polizeiaufgebot mit Schutzschildern und Schlagstöcken die Demo aufgelöst. Auf dem Weg zum Treffen hatte ich dann lange Zeit, mir so meine Gedanken zu den gerade stattgefundenen Geschehnissen zu machen – ich musste ja dorthin laufen, weder Tram noch Bus fuhren mehr.

Was die Zeitungen morgen wohl so darüber schreiben werden: „Radikale Linkssozialisten terrorisieren Media-Markt“ oder „Frau Sommaruga, distanzieren sie sich von der Demo?“ Was wäre passiert, wenn Muslime bei einer Demonstration solche Sachschäden verursacht hätten? Wie würden hier die Schlagzeilen lauten? Würden die Diskussionen über Ausreisesperre, Passport-Entzug oder Ersatzausweis, wie neuerdings in Deutschland, neu befeuert werden?

Ich erinnere mich an die Demo gegen das Minarettverbot, als ich einige meiner muslimische Bekannten anfragte, ob sie auch mitkämen: „Hmm, naja, wir wollen keine Probleme mit der Polizei haben“ oder „Demos sind kontraproduktiv“ waren die Antworten, die ich bekam. Ja, einige sagten gar, es entspräche nicht der Sunna zu demonstrieren. Nun halte ich mich zwar für einen doch recht verständnisvollen Menschen doch wenn es darum geht, die eigene Lethargie auch noch mit dem Islam rechtfertigen zu wollen, so ist auch bei mir eine Grenze erreicht.

Zurück zum Thema: mit diesen Sachschäden, die sie verursachen, machen sich die Linksradikalen weder bei der Bevölkerung, noch in der Politik Freunde – vor allem dann nicht, wenn diese erst zwei Stunden später als vorgesehen zu Hause ankommen, weil das ganze ÖV-System lahmgelegt wurde. Eines muss man ihnen aber lassen: sie setzen sich für ihre Überzeugungen ein. Den Vandalismus als Mittel der Wahl mag man – so wie ich – ablehnen, die Überzeugung auch. Doch dieses uneingeschränkte und furchtlose Einstehen für die eigenen Werte und Vorstellungen, davon könnte sich der eine oder andere eine Scheibe abschneiden und wäre dann vielleicht um einiges näher am Lebenswandel seiner Vorbilder dran, im angeblichen Geiste derer er momentan noch damit beschäftigt ist, seine und ihre Überzeugung gemütlich vom Sofa aus zu vertreten und zu verteidigen.

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